In dieser Rubrik findet Ihr meine eigene, kleine Kolumne.
Hier werde ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder persönliche Gedanken zu diversen Themen aufschreiben. Dabei könnte es sich um gerade aktuelle Sachen handeln, oder auch etwas, was mich auf die eine oder andere Weise einfach nur beschäftigt…
Kurzum, diese “Julumne” repräsentiert einzig und allein subjektive Gedanken und Empfindungen meinerseits und besitzt daher auch keinerlei Anspruch auf objektive Richtigkeit.
3. Julumne: Burmariders – Jeder kann etwas bewegen…!
Vor einiger Zeit las ich in einem Interview des Onlimagazins “Encore Magazin – Ausgabe #36″ über eine im Sommer 2007 stattgefundene besondere Charity-Aktion names”Burmariders”. Bei diesem Projekt handelte es sich um eine 4-wöchige Fahrradtour, durchgeführt von Florian Fischer und Florian Niethammer, entlang der thai-burmesischen Grenze, um auf eine bislang in der Öffentlichkeit noch wenig bekannte Problematik aufmerksam zu machen.
Hintergrund:
Nachdem Burma, offizielle Bezeichnung Union Myanmar, der östlichste Teil britisch Indiens, am 04. Januar 1948 nach 122 Jahren Kolonialherrschaft eine unabhängige Republik geworden war, machten moderne Infrastruktur und reich vorhandene natürliche Ressourcen es rasch zur erfolgreichsten Volkswirtschaft Südostasiens. Am 02. März 1962 setzte jedoch General Ne Win in einem Coup d’État die Verfassung der jungen parlamentarischen Demokratie Burma’s außer Kraft. Mit harter Hand geht die Armee seitdem gegen Oppositionelle vor und operiert vor allem in Gebieten der ethnischen Volksgruppen wie eine Besatzungsmacht. Burma befindet sich im Bürgerkrieg und bis heute wird das Land vom Militär regiert. Mittlerweile zählt es zu den ärmsten Nationen der Welt. Am 08.08.1988 kommt es in ganz Burma zu Demonstrationen gegen die Politik der Militärdiktatur und für Demokratie. Heldin und Ikone dieser Bewegung ist vor allem die charismatische Oppositionelle Aung San Suu Kyi, die 1991 für ihren Einsatz in ihrem Land den Friedensnobelpreis erhielt. Damals nahmen ihre Söhne diesen Preis in ihrem Namen entgegen, da sie befürchtete, ihr würde die Wiedereinreise nach Myanmar verweigert werden, falls sie selbst zur Preisverleihung reise. Der Aufstand vom 08.08.1988 wird schließlich brutal niedergeschlagen, über 3000 Demonstranten auf offener Straße erschossen und Zehntausende verhaftet. Aung San Suu Kyi wird zur Generalsekretärin der neu gegründeten “National League for Democracy” gewählt und im Juli 1989 ohne Anklage oder Verurteilung von der Regierung unter Arrest gestellt. Bis heute ist sie die einzige von der Weltöffentlichkeit wahrgenommene Zeugin jahrzehntelanger Unterdrückung.
Burma oder Myanmar?
Die Staatsbezeichnung “Union Myanmar” hat die Militärjunta 1989 eingeführt. Die Uno und das Auswärtige Amt sprechen von der Union Myanmar.
Für die USA und Regimegegner wie Aung San Suu Kyi hingegen gibt es aus politischen Gründen nur Burma. In den deutschsprachigen Medien wurde das Land trotz der Militär-Verordnung meist weiterhin Burma bzw. Birma genannt.)
Burmariders-Aktion:
In einer 29-tägigen Fahrradtour für Menschenrechte und gegen die Unterdrückung des burmesischen Volkes durch die eigene Regierung sind Florian Fischer und Florian Niethammer in die Flüchtlingslager gefahren, um auf den Notstand und das Elend der dortigen Bevölkerung aufmerksam zu machen und Zitat: “den Menschen dort eine Stimme zu geben”. Mithilfe modernster Satellitentechniken konnte man in vor Ort aufgezeichneten Videobeiträgen, gemachten Fotos und Berichten über den Ausnahmezustand in Thailands wildem Westen und Burmas dunklem Osten quasi live via Internet dabei sein und viele der Eindrücke und Erlebnisse der beiden Rider mitverfolgen. Im Laufe der 4 Wochen wurden es 1600 virtuelle “Burmariders”, die spendeten und sich von zu Hause aus engagierten. Am Ende sind die stolze Summe von bis zu 30.000 Euro zusammen gekommen, die der Organisation “Helfen ohne Grenzen e.V.”, welche die beiden Stutgarter bei der Umsetzung und Planung ihres mutigen und engagierten Vorhabens von Anfang an tatkräftig zur Seite standen, danach überreicht werden konnte.
Nach diesem Interview informierte ich mich ein bisschen im Internet, denn ich hatte zwar mal von einem Land namens Burma gehört, aber was eigentlich genau hinter dieser Nation steckt und welche Menschen dort leben, begann mich mehr und mehr zu interessieren. Burma ist ein Land mit vielen Namen und noch mehr Gesichtern, welches seine Besucher mit mysthischen Sonnenaufgängen, faszinierenden Sehenswürdigkeiten, z.B. seinen zahlreichen Pagoden – zu nennen sei hier u.a. die goldene Shwedagon-Pagode in der Hauptstadt Rangun oder unvergleichlichen Sonnenuntergängen über der Bagan-Ebene mit ihren an die 2.500 Pagonen verzaubert. Tief verwurzelte Kulturen, beeindruckende Bauwerke und freundliche Menschen, die Burma zu einem der exotischsten Länder Südostasiens machen. Wie kann es da sein, dass unschuldige Menschen seit langer Zeit so leiden müssen?! Die Frage nach dem Tourismus stellt sich in diesem Zusammenhang ja auch, da das Regime unter dem Vorwand der Rebellenbekämpfung weiter Krieg gegen ihre eigene Bevölkerung führt, die Armee Dörfer niederbrennt, Frauen vergewaltigt und wahllos Zivilisten erschießt. Das Ergebnis sind inzwischen 2 Millionen Menschen, die sich im Dschungel verstecken. Es leben heute schätzungsweise 500.000 illegale Immigranten in Thailand und bereits 650.000 Flüchtlinge sind dort gestrandet. Wie verhält man sich angesichts dieser verheerenden Situation? Meidet man solche Länder lieber komplett, um nicht zu Unterstützern des dortigen Regimes zu werden, denn viele Einnahmen der Hotels und Sehenswürdigkeiten fließen direkt in die Taschen der dortigen Regierung oder versucht man erst recht Kontakt mit Land und Leuten herzustellen, um der Bevölkerung zu zeigen, dass sie nicht alleine ist?! In jedem Fall sollte man diesen Aspekt bei evtl. Reiseplanungen berücksichtigen, zumal sich einem auch so noch zahlreiche unnachahmliche, faszinierende und frei zugängliche Bauten, Tempel und Einrichtungen bieten, die man besuchen kann und die einem zugleich unvergessliche Momente bescheren werden.
Wenn man sich jedoch die Berichte auf burmariders.com und vielen dort zu finden Artikeln durchliest, schwankt man zwischen Entsetzen und Fassunglosigkeit hin und her. Sich vorzustellen, dass die eigene Regierung sich gegen einen stellt, dass man im eigenen Lande ein Flüchtling ist und täglich ums Überleben kämpfen muss, ist beängstigend und erscheckend! Und eigentlich sollte man doch meinen, dass jedes Land strikt gegen solche Machenschaften sei, doch das Gegenteil ist der Fall. Am 29.09.2007 gab es eine Kundgebung vor der chinesischen Botschaft in Berlin, in der man China dazu aufforderte, sich entschlossen gegen eine gewaltsame Intervention der Sicherheitskräfte auszusprechen und die Demokratiebewegung zu unterstützen. Hintergrund ist, dass China immer wieder durch sein Veto im UN-Sicherheitsrat ein mögliches Vorgehen gegen die Junta blockiert, so auch im Januar 2007 gemeinsam mit Russland, als in einer Entschließung des Weltsicherheitsrates die Militärregierung Burmas aufgefordert werden sollte, alle politischen Gefangenen freizulassen, die Schritte in Richtung Demokratie zu beschleunigen und die Angriffe gegen ethnische Minderheiten zu stoppen. Bei dem Gedanken, dass ein Land das Vorgehen der burmesischen Regierung wissendlich billigt, ja sogar aktiv unterstützt kann man nur verständnislos den Kopf schütteln! Doch seitdem 1962 die Militärs in Burma die Macht übernommen hatten, führen sie das Land unter Chinas stillschweigender Zustimmung mit äußerster Brutalität.
Zitat: „Burmas Bedeutung für China wächst stetig und rasch. Denn China nutzt sein Nachbarland als Rohstoffquelle und als Zugang zum Indischen Ozean, den es selber nicht besitzt“, sagt die Burma-Expertin Marie Lall im Gespräch mit der F.A.Z., die an der Universität London zu Südasien forscht. Chinesische Unternehmen bauen im Nachbarland Tropenhölzer, Jade und Gold ab und legen riesige Monokultur-Plantagen an, auf denen die Burmanen arbeiten, und bauen die ihnen nützliche Infrastruktur aus. Von besonderer Bedeutung aber sind die Gasvorkommen entlang Burmas Küste. Sie sind ein Baustein für die von Peking geplante Entwicklung des unterversorgten Westens Chinas. Der Ölkonzern BP geht davon aus, dass Burma erschlossene Gasreserven von mindestens 500 Milliarden Kubikmetern hat. Andere sprechen davon, Burma verfüge insgesamt über die dreifache Menge. (Quelle: FAZ vom 24.9.2007) Im Gegenzug für die Ausfuhr der von China benötigten Rohstoffe, stützt China aktiv das menschenverachtende System der Generäle und macht sich mitschuldig an der permanenten Verletzung der Menschenrechte in Burma. Als Schutzmacht der Militärjunta trägt China eine direkte Mitverantwortung an einem möglichen Massaker auf den Strassen Burmas. Darüber hinaus ist China der wichtigste Waffenlieferant für die Generäle.
Doch mutige Proteste zeigen, dass das burmesische Volk die Hoffnung nach Demokratie noch nicht verloren hat! So zogen am 22.09.2007 rund 2000 Mönche zum Haus der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die immer noch unter Arrest steht. Im Internet rief eine Gruppe namens „All Burma Monks Alliance“ erstmals auch die Zivilbevölkerung dazu auf, sich den friedlichen Protesten anzuschließen. Der Kampf gegen die schlimme Militärdiktatur müsse bis zu deren kompletten Fall fortgeführt werden. Das Volk müsse sich mit den geistlichen Kräften vereinigen, um das Regime für immer aus dem Land zu verbannen, hieß es in der Stellungnahme. Bisher hatten die Mönche Zivilisten davon abgeraten, sich ihren Märschen anzuschließen, da sie Vergeltungsmaßnahmen der Regierung und gewalttätige Ausschreitungen befürchteten. Oder die seit einiger Zeit verstärkte Bewegung der burmesischen Bloggerszene, die trotz herrschender Zensur – gekappter Telefonverbindungen, einem Internet, welches strengen Restriktionen unterliegt, unermüdlich versuchen, die Welt über den Konflikt im eigenen Lande zu informieren und sich dadurch akut in Lebensgefahr bringen!
- Auf ko-htike.blogspot.com sind Blogberichte ins Englische übersetzt.
- ein Bericht dazu auf Spiegel Online
Im Artikel 3 der Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948 steht in der “Allgemeinen Erklärung der Meschenrechte” geschrieben: “Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person”, doch die Realität sieht leider ganz anders aus, wie nicht nur das Beispiel Burma auf sehr erschreckende Art und Weise verdeutlicht!
Die Fahradtour der Burmariders ist inzwischen beendet, aber das Engagement und der Kampf gegen das Militärregime muss und wird weitergehen, bis das Leiden und die Unterdrückung dieses Volkes endlich ein Ende findet. Denn auch wenn China die Bemühungen des Weltsicherheitsrates nach Demokratie immer noch verhindert und das Militärregime seit Jahrzehnten unbeirrt an der Macht steht, so zeigen Menschen wie Aung San Suu Kyi, die burmesischen Mönche, die burmesische Bloggerszene und viele, viele andere überall auf der Welt, dass sie das Bestreben auf ein Leben in Frieden und Freiheit nicht aufgeben werden und das gibt Hoffnung, denn jeder kann etwas bewegen, wie das Beispiel “Burmariders” eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat!
Impressionen aus Burma
Hier habe ich Euch mal ein paar informative Links zusammengestellt:
- Burmariders – eine Fahradtour für Menschenrechte
Burmariders.com - Birma / Myanmar
www.myanmars.net - Amnesty International Burma Group
www.angelfire.com - Freeburma.org
www.freeburma.org - Biographie Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi
Nobelprize.org - Online-Petiton
Deine Stimme für ein freies Burma - Myanmar – Touristinformationen
www.myanmar-guide.de - Karen Human Rights Group (unabhängige Organisation)
www.khrg.org - SWAN – Shan Women Action Network
www.shawnwoman.org








